Sunday, June 25, 2017

Interview zum Thema: Italienische Männer...

Mit Dank und besten Grüßen an Maike Brenner für dieses spaßige Skype-Interview!



Südländische Männer gelten ja schon seit langem als absoluter Traum nordischer Frauen. Was macht deiner Meinung nach ihr Reiz aus?

Das kann ich dir leider gar nicht beantworten, denn sie haben nie zu meinem Beuteschema gehört!


Nein, was für eine Überraschung, das macht mich jetzt mehr als neugierig! Also für einen feurigen Latin-Lover konntest du dich nie begeistern?

Das stimmt. Ich weiß aber natürlich, dass sich viele Frauen von diesem Typus Mann angezogen fühlen und ich möchte auch mal behaupten, dass das vielfach der Grund ist, wenn Frauen nach Italien gehen, sei es im Urlaub oder auch fürs Auswandern.


Du bist dann aber auch für einen Italiener ausgewandert.

So formuliert hört es sich jetzt ungewohnt an, auch wenn es faktisch stimmt. Zumindest kannte ich den besagten Italiener seit fast fünf Jahren und führte vier Jahre lang eine Fernbeziehung mit ihm. Ich hatte ihn also schon auf Herz und Nieren getestet.


Warum ausgerechnet dieser Italiener?

Weil ich mich in ihn verliebt habe. Aber nicht, weil er Italiener war, sondern weil er war wie er war bzw heute noch ist wie er ist. Dass er Italiener ist, ist ja nicht sein Hauptmerkmal. Mich überrascht es manchmal noch selbst, wenn ich so darüber nachdenke. Aber ich bin ja auch nach Italien gezogen, ohne jemals italophil gewesen zu sein, dann passt also auch, dass ich einen Italiener liebe, ohne Italiener zu lieben.


Du magst die Italiener nicht?

Nein, das kam jetzt ungeschickt rüber. Ich hatte Italiener nie als Beuteschema, so meine ich das. Deswegen wundert es mich nicht, dass ich genau deswegen einen Italiener liebe. Ich bin auch in Italien sehr glücklich, ohne es vorher als Sehnsuchtsland gehabt zu haben. Deswegen bin ich ohne jede Erwartungen umgezogen. Genauso bin ich in die Beziehung gegangen ohne klischeehafte Romantik und Leidenschaft zu erwarten.


Was macht deinen so besonders?

Als Italiener oder als Mann?


Beides.

Nun, er ist einfach mein bester Freund. Wir hatten keine Beziehung im Sinn als wir uns kennengelernt haben und verstanden uns einfach über Monate hinweg sehr gut. Da wir auch gemeinsam an einem Projekt gearbeitet haben, lernten wir uns in der Zeit recht gut kennen und haben am Ende stundenlang gechattet, bis wir erkannten, dass das so nicht weiter gehen konnte. Ich glaube als wir zum ersten Mal darüber gesprochen haben, hatten wir über eine Woche lang jeden Tag diverse Stunden AM STÜCK gechattet. Das hat unseren Alltag komplett auf den Kopf gestellt und irgendwann mussten wir uns der Frage stellen, was das jetzt alles für uns bedeutete.


Das leitet perfekt zu meiner nächsten Frage über: wie habt ihr euch kennengelernt?

Er gehörte zu einer italienischen Band, die ich damals - 2008 - viel gehört habe. Ich weiß auch nicht, was mich geritten hat, den Kontakt zu suchen, aber irgendwas hat mich damals irgendwie sehr in diese Richtung gepusht und ich kam über Fan-Foren schließlich zu MySpace, was damals noch in voller Blüte stand. Ich hatte zu vielen anderen Fans Kontakt und überraschenderweise schließlich auch zur Band. Das hätte ich damals nicht erwartet. Der Austausch war sehr positiv, auch wenn er der letzte der Gruppe war, den ich wagte anzuschreiben.


Das ist ja mal eine Story! Was war so beeindruckend an ihm?

Ich kann es gar nicht genau sagen. Er schien mir unglaublich wach zu sein, sehr intelligent, sehr direkt. Das hat mich am Anfang eingeschüchtert, bis mir andere Fans sagten, dass er sehr zugänglich und nett sei. Und nach einigen Wochen hab ich mich schließlich getraut ihm tatsächlich zu schreiben. Und dann wurd es erst richtig verrückt.


Nein, wie spannend!!

Er schrieb mir, dass er mal einen Song mit meinem Namen geschrieben hätte und ich die erste Person mit diesem Namen sei, die er tatsächlich kennenlernt. Damals wusste ich noch nicht, dass das für ihn tatsächlich noch viel weiter ging. Es ging da um die ideale Liebe und weil er nicht daran glaubte, hatte er nach einem Namen gesucht, mit dem er niemanden im echten Leben kannte, damit sich niemand in seiner Umgebung angesprochen fühlen sollte. Und dass ich dann so hieß, hat sofort seine Aufmerksamkeit geweckt. So kamen wir ins Gespräch.


Das ist ja schon fast klischeehafte Romantik! Wie in einem Märchen! Und dennoch wolltest du keinen Latin Lover?

Ach nein, so romantisch war das nicht, denn wir haben zu keiner Zeit geflirtet. Außerdem war er damals noch verheiratet. Es war ein sehr freundschaftlicher Austausch, der dann in Berufliches überging, als er dann irgendwann wusste, dass ich Englischlehrer bin und mich dann gefragt hat ob ich seine neuen Songtexte korrigieren würde. Das führte dann zu noch mehr Austausch, bei dem wir uns dann auch über die persönlichen Inhalte der Songs ausgiebig unterhalten haben und dann sollte ich noch einen Erzählerteil für das Album sprechen und am Ende war ich richtig Teil der Produktion. Das war für mich als unbekannte Person von weit weg natürlich der absolute Wahnsinn. So war es dann auch logisch, dass ich bald darauf zu einem Konzert nach Italien geflogen bin und so nahm das alles dann seinen Lauf.


Also für mich hört sich das an wie Romantik pur! Deutscher Fan trifft italienischen Rockstar und jetzt leben sie zusammen, das ist nicht das, was man jeden Tag erlebt. Das könnte auch eine Geschichte aus einem Teenie-Magazin sein, die unrealistische Erwartungen in den Lesern weckt. Und wenn jemand das wirklich erlebt - und dann auch noch mit einem Latin Lover - das klingt nach Märchen pur! Daraus könnten wir glatt mehrere Interviews machen. Kommen wir nochmal auf den italienischen Aspekt zu sprechen. Gab es interkulturelle Hürden, bzw. gibt es viele kulturelle Unterschiede zwischen euch und wenn ja, wo genau?

Eigentlich nicht wirklich. Ich glaube, wenn wir uns nicht so ähnlich wären, könnten wir gar nicht so entspannt zusammen leben. Ich glaube, wir treffen uns irgendwo in der Mitte zwischen den Kulturen. Ich bin nicht so arg deutsch was Stereotype angeht und er ist auch nicht so sehr typisch italienisch. Es gibt natürlich so einige Merkmale, die typisch italienisch sind. Der caffé ist ihm sehr wichtig, genauso wird er ganz pienzig, wenn mal kein Brot im Haus sein sollte. Zum Thema Brot habe ich auch schon einige Blogeinträge geschrieben, weil das wirklich ein running gag ist, wenn ich mit Italienern zu tun habe. Für jemanden, der aus dem Land mit den meisten Brotsorten kommt, ist das lustig zu sehen, was in Italien für ein Geschiss ums Brot gemacht wird. Ich könnte z.B. auch ganz ohne Brot gut leben. Und den caffé trinkt er zu Hause und dann muss er dennoch einen weiteren in einer Bar nehmen; ich glaube das ist in seiner DNA verankert. Und er ist auch extrem auf italienische Nahrung fixiert und zieht italienische Gerichte allen anderen vor. Am Anfang hat er immer gekocht, inzwischen koche ausschließlich ich.


Und die Mamma?

Ja, das ist auch so ein Thema für sich. Mit einem Mammone könnte ich nicht zusammen leben, ich glaube, das hätte unsere Beziehung schnell ruiniert. Wir haben allerdings ein ganzes Jahr lang mit den Schwiegereltern unter einem Dach in einem Haushalt gelebt und ich sage mal, da kamen auf einmal Dinge hoch, die kamen voll aus der Klischeekiste und waren nur schwerlich zu ertragen. Über das Jahr könnte ich ein Buch schreiben, wir haben alle ziemlich gelitten. Im Nachhinein war es dennoch kulturell sehr interessant. Aber: nie wieder! Meine Schwiegermutter fing nach fünf Jahren an jedes Vorurteil zu bestätigen und mein Partner verwandelte sich in einen aufmüpfigen Teenager, der zickig auf die Mutter reagiert, sich aber nicht wirklich wehrt. Das war eine Seite an ihm, die mir neu war.


Das hört sich brisant an! Was ist denn da vorgefallen?

Nun sie hat sich in alle Angelegenheiten eingemischt, den kompletten Haushalt an sich gerissen, die Einrichtung bestimmt und was gegessen wurde und es verging kaum ein Tag an dem nicht der Haussegen schief hing. Sie kam schon mal nachts in unser Schlafzimmer gelaufen um das Fenster zu schließen und hat in der Küche alle Dinge willkürlich in Schubladen und Schränke gepackt, Essen, Geschirr, Mülltüten, Kreuze, Zettel, Nähmaterial, alles wild durcheinander. Niemand hat mehr durchgeblickt, nicht einmal sie. Eine Weile lang habe ich hartnäckig nachts wieder für Ordnung gesorgt und sie im Laufe des Tages alles wieder verstreut, aber der Krieg ließ sich nicht aufrecht erhalten.


Das ist ja ein Alptraum! Unterscheiden sich italienische Schwiegermütter sehr von deutschen?

Mit deutschen Schwiegermüttern habe ich nicht viel Erfahrung, das kann ich leider nicht vergleichen. Die italienische Schwiegermutter ist meiner Erfahrung nach aber besonders verschrien, gerade wenn der Sohnemann auch noch sehr an ihr hängt, was jetzt bei uns nicht der Fall ist. Aber es war auch in meinem Fall übel genug - im Nachhinein allerdings finde ich das alles auch sehr unterhaltsam. Es ist ja vorbei. Inzwischen verstehen wir uns auch wieder richtig gut. Alle sind einfach nur erleichtert, dass sich unsere Wege getrennt haben. Wenn wir uns jetzt sehen, ist es ja nur zum Besuch. Außerdem schreibt mir meine Schwiegermutter jetzt immer nette Nachrichten auf WhatsApp und wünscht sich Fotos von uns und den Tieren. Da kann ich also nicht klagen.


Hätte sich deine Schwiegermutter eine italienische Frau für ihren Sohn gewünscht?

Anfangs schon. Ich bin nicht die erste ausländische Schwiegertocher, die sie haben und es hatte viele Probleme vor mir gegeben, auch schon was die geografische Distanz anging und eine Italienerin hätte in ihren Augen mehr Stabilität bedeutet. Aber sie haben mich nie abgelehnt. Im Gegenteil, gerade in den ersten Jahren bin ich bei jedem Besuch zu Verwandten und Bekannten geschleppt worden um denen vorgestellt zu werden. Manchmal gibt es die eine oder andere Spitze gegen Deutsche, aber das ist humorvoll gemeint.


Ein gutes Stichwort - die Großfamilie. Welche Rolle spielt sie bei euch?

Mein Partner ist jemand, der sich gerne zurückzieht und seine Ruhe hat. Um die Großfamilie macht er einen Bogen und sucht auch nicht den Kontakt zu den unmittelbaren Verwandten. Wir haben mehrere Jahre lang Santa Lucia im Dezember mit der Großfamilie gefeiert und im August noch einmal Ferragosto und damit hatte es sich. Gerade als ich noch kaum Italienisch konnte, waren diese Familienereignisse immer sehr anstrengend für mich. Heute kann ich mich mit allen unterhalten, aber ich bin auch jemand, der sich gerne zurückzieht, deswegen bin ich heilfroh, dass wir immer unter uns sind - gerade seitdem wir nach Ligurien gezogen sind und damit 100km weit weg von der Großsippe.


Also ein ruhiger, eher introvertierter Italiener, der nicht eng mit der Mutter ist und Familientreffen aus dem Weg geht. Entspricht er denn wenigstens optisch dem Klischee?

Nur bedingt. Er ist über 1,90m groß und hat blaue Augen.


Das klingt alles in allem nach einer ausgewogenen Mischung aus typischen und untypischen Aspekten. Was war denn das Romantischste, was er bisher gemacht hat?

Ich würde jetzt gerne behaupten es sei der Song, den er damals geschrieben hat, aber das war ja viele Jahre vor meiner Zeit. Er hat mir später sogar tatsächlich einen Song geschrieben, hat dies aber nicht an die große Glocke gehängt. Das Romantischste war glaube ich der Verlobungsring nach drei Monaten Beziehung. Uns war gleich von Anfang an klar, dass wir eine richtig gute Konstellation zusammen sind. Wir hatten sehr viele externe Hürden zu überstehen, aber sind intern seit über acht Jahren krisenfrei.


Dann drücke ich die Daumen, dass es genau so weitergeht und ihr bald die langersehnte Hochzeit angehen könnt!









No comments:

Post a Comment