Friday, June 23, 2017

Es grunzt auf dem nächsten Level...

Wir haben ein Problem! Ein Wildschweinproblem! Alles nicht neu, ich weiß. Aber es tangiert uns inzwischen richtig. Und zwar nicht nur uns persönlich, sondern mehr oder minder die ganze Stadt. Und nicht nur hier.

Das Thema Wildschweine kam erst vor gut zwei Jahren auf, anfangs hörte ich nur mal, dass Wildschweine in den Wäldern gesichtet worden seien und Hundehalter sollten aufpassen. Der eine oder andere konnte dann mal eine eigene Sichtung ergänzen und eines Abends hörte ich lautes Grunzen aus dem Wald, während ich mit meinem Hundi eine späte Runde gedreht habe, weshalb ich mich fühlte wie in Jurassic Park und dann rannte, was das Zeug hielt.

Seitdem hat sich viel getan. Nicht nur, dass die Wildschweine inzwischen zum dritten Mal unsere Obstbäume auf dem Terreno völlig zerstört haben, dort von der hohen Mauer springen und dann wühlen. was das Zeug hält. Der Nachbar zählte vor einigen Wochen vierundzwanzig (24!) Schweine auf unserem Gelände, die wohl eine Art Party feierten. Deswegen haben wir das Terreno nie mehr betreten, sobald es dunkel war. Auf Facebook wurden dann immer häufiger Warnmeldungen geschrieben, wenn jemand aktuelle Sichtungen auf der Straße benennen konnte, meistens in der Art von "Achtung, soundsoviele Wildschweine auf der Via xyz um 22 Uhr. Sie liefen Richtung Sportplatz".

Nach und nach kamen auch Fotos. Nicht aus den Nächten, nein, mitten am Tag. Wildschweine im Fluss mitten in der Stadt, Wildschweine auf den Schulhöfen, Wildschweine zwischen den Mülltonnen, Wildschweine auf den Parkplätzen, Wildschweine überall. Langsam kamen die ersten Klagen zusammen: Sie zerstören die Zäune, sie zerstören die Ernte, einen Hund haben sie hier auch getötet! Und so wurde das Thema langsam zu einem öffentlichen.

Inzwischen ist es so weit, dass viele Anwohner die Sichtungen und Schäden den Behörden gemeldet haben. Dabei spalten sich noch die Lager in jene, die panische Angst haben, und jene, die die Schweine sogar füttern. Angst haben typischerweise die Hundehalter, die sich nicht mehr auf die Straßen trauen und all jene, die spät abends von der Arbeit nach Hause kommen und sich dann regelmäßig einem oder mehreren Schweinen gegenüber sehen.

Die rechtlichen Umstände sind unklar. Von der Comune war die Rede, von einer Forstpolizei, von Ehrenamtlichen und der großen Frage, wer hier zuständig ist, bzw OB jemand zuständig ist. Manche Aussagen widersprechen sich da; einige Anwohner, die sich an die Ämter gewandt haben, beklagten, dass man ihnen nur gesagt hätte, dass man nichts tun könne. Andere wiederum riefen andere Nummern an und bekamen ganz andere Zusagen gemacht. Eine Stelle sagte, dass in Wohngebieten nicht geschossen werden dürfe, eine andere sagte, dass es bald ein neues Gesetz gäbe, dass die Wildschweinkinder, sprich Frischlinge, zum Abschuss freigeben würde. Das will dann wieder auch keiner; nicht mal ich. Wieder andere sagten, es müsse lediglich das Familienoberhaupt erschossen werden, und daraufhin würden sich alle verstreuen. Ein ziemliches Chaos und nichts ist zufriedenstellend. Manchmal hört man Schüsse in den Wäldern. Einige Halter von Schafen haben Angst um ihre Herden und nehmen die Sache alleine in die Hand.

Und wir?

Wir gehen im Dunklen auch nicht mehr vor die Tür. Nicht einmal mehr zu den Mülltonnen. Inzwischen kommen die Schweine praktisch jede Nacht. Und zwar nicht mehr nur aufs Terreno, das etwas abseits vom Haus liegt, sondern sie kommen direkt vor unsere Haustür. Dort fressen sie die alten Kirschen, die stündlich vom Baum fallen. Sie haben sich auch durch alle Grünflächen gebohrt und sämtliche Blumen und Sträucher herausgebuddelt. Wir wissen, dass sie da sind, sobald die Nachbarhunde laut bellen und nicht mehr aufhören. Dann kann man typischerweise ein lautes Schmatzen hören oder ein Grunzen und sieht eine variable Anzahl an Wildschweinen hier auf den Fußwegen zwischen den Häusern und Gärten. Kleine und Große. Wobei sich die Großen einen Dreck um die Kleinen zu scheren scheinen. Während ich bei meiner ersten Sichtung vor dem Haus noch fast gerührt war eine ganze Familie zu sehen, habe ich jetzt ausreichend Szenen beobachtet, die mich glauben machen, dass die Kinder ziemlich stiefmütterlich behandelt werden. Die Erwachsenen schubsen sie weg um selbst an die Beute zu kommen und wenn Gefahr droht, laufen die Großen davon, ohne auch nur darauf zu achten ob die Kleinen hinterherkommen.

In der Tat hat sich der Jurassic Park vor unser Haus verlegt. Neulich war meine bessere Hälfte noch einmal mit Ludwig draußen, als es circa Mitternacht war und während ich gerade einen Müllsack aus dem Garten tragen wollte, sah ich eine Schweinefamilie den Gehweg von Seiten der Nachbarn herunterkommen. Panisch schnappte ich das Telefon und warnte, dass sie bloß weit weg vom Haus bleiben sollen und dass ich sie mit dem Auto abholen komme, egal wo sie gerade seien. Mein Geschrei brachte auch die Wildschweinfamilie zur Umkehr und sie gingen zurück zur Straße. Übers Telefon lotste ich nun meine bessere Hälfte wieder nach Hause, der die Schweine selbst auf der Straße in einiger Entfernung sah und dann schnell zurück kommen konnte. Selbst in den Garten können wir nachts nicht mehr gehen, falls Ludwig ein dringendes Bedürfnis hat, weil wir dazu über den Gehweg müssen, auf dem auch die Schweine laufen und man nie wissen kann, wann sie auftauchen werden.

Kurzum, das Wildschweinproblem ist längst eskaliert und wird in der Nachbarschaft umfangreich und hitzig debattiert. Den ersten Unfall zwischen zwei Scootern, die beide einem Schwein ausgewichen sind und sich dabei gerammt haben, hat es auch schon gegeben und sofern nicht bald etwas getan wird, werden größere Probleme folgen. Insbesondere da die Schweine konstant mehr werden und bald kein Futter mehr finden werden, weil sie schon alle Felder und alle Gärten abgeräumt haben. Und dann wird es so richtig spaßig....



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