Monday, November 6, 2017

Friday, October 20, 2017

Parallelleben...

Nanu? Fast einen Monat lang schon keinen Beitrag mehr geschrieben? Das liegt genau an dem Thema, über das ich heute schreiben möchte. Seit diversen Monaten hatte ich das Gefühl, dass sich jetzt im Herbst etwas tun würde, etwas Großes. Beweise dafür habe ich nicht; es ist nur ein unbestimmtes Bauchgefühl, aber mein Instinkt ist etwas, dem ich gelernt habe relativ blind zu vertrauen.

Trotz vieler Bemühungen war ich im Sommer immer wieder etwas frustriert. So richtig in die Puschen kam ich mit meinen Projekten nicht, und die Tatsache, dass Ludwig seine Anfälle hatte, hat auch alles andere als geholfen. Aber wie man ja weiß, soll man Krisen als Chancen nehmen um etwas weitreichend zu verändern und sich vor allen Dingen auch selbst zu verändern. Ich habe die Gelegenheit genutzt um mich kopfüber ins Lernen zu stürzen. Ich habe immer schon gerne gelernt, aber seitdem ich die Möglichkeit gefunden habe an zig Onlineseminaren teilzunehmen, hat sich mein privates Studium zu einem Halbtagsjob entwickelt. Wenn ich ehrlich bin, würde ich sogar ausreichend Interesse haben um von morgens bis abends nur zu lernen. So viele spannende Dinge, die ich bislang nicht gewusst habe, oder aber früher nur angerissen hatte. Kaum habe ich ein Seminar nach einigen Wochen abgeschlossen, flattern mir die nächsten Vorschläge ins Haus und ich sehe schon, dass mich das Selbststudium auch das ganze nächste Jahr über begleiten muss, wenn ich auch nur ansatzweise die Chance haben will, all das zu lernen, was ich mir vorgenommen habe. Und größere Projekte sind dabei noch gar nicht einkalkuliert. Auch habe ich vollständig meine Sprachen vernachlässigt und der Umstand, dass ich dieses Jahr in beiden Ländern bin/war, deren Sprachen ich eigentlich lerne (Frankreich, Niederlande), stimmt mich doch etwas traurig. Auch Sprachen würde ich gerne in Vollzeit lernen. Aber dazu bräuchte ich schon ein komplettes Parallelleben.

Spreche ich vom Kochen. Bis vor wenigen Jahren hatte ich auf dem Gebiet wirklich so gar keine Erfahrung. Erst seitdem wir beruflich in Genua sind, sah ich mich gezwungen das vollständige Kochen zu übernehmen. Das Witzige daran war: ich wollte immer kochen! Ich hatte mir zig Bücher gekauft, Rezepte aus Zeitschriften ausgerissen und habe mich schon immer für Zutaten und Vorratshaltung interessiert. Seitdem hat sich wirklich sehr viel getan und ich bin froh, dass ich dieses Jahr zum ersten Mal auch Pralinen und verschiedene Eissorten hergestellt habe. Ich habe auch meine Pizza-Variationen laufend erweitert und würde gerne noch viel mehr Zutaten zu verwenden wissen. Manchmal finde ich Rezepte, die mich wirklich inspirieren. Und dann finde ich Zutaten, an die ich vielleicht noch nie gedacht habe. Und dann juckt es mir in den Fingern um die Sache weiterzuverfolgen. Aber auch Kochen und Backen kostet Zeit. Und teuer ist es auch, gerade wenn man außergewöhnliche Dinge zaubern oder sich zumindest eine Reihe an interessanten Zutaten zulegen möchte. Kochen tu ich sowieso jeden Tag zweimal und das seit nunmehr vier Jahren. Aber inzwischen kam noch etwas hinzu: seit gut sechs Wochen koche ich auch jeden Tag zweimal für Ludwig. Sicher war es einfacher als es genug war ihm einfach nur sein Trockenfutter in die Schüssel zu geben und sich darauf zu beschränken nur mal ab und an Fleisch mit Reis zu machen.

Seitdem er im März die epileptischen Anfälle hatte, waren wir mehrfach zum Umdenken gezwungen. Wir haben nach allen möglichen Ursachen geforscht, das Dosenfutter, eine Allergie, eine bestimmte Tätigkeit, Mondphasen, er hatte weiterhin Anfälle und bislang haben wir rund 3000€ für dieses Problem ausgegeben, von Tierarztkosten über Laboranalysen bis hin zum MRT und der Medizin, die er seit Mai nimmt. Es verändert den Alltag, wenn der Hund dreimal am Tag eine Medizin einnehmen muss und nicht mehr alleine bleiben kann. Und das Schlimmste daran ist der Umstand, dass sich absolut nichts geändert hat - trotz der Medizin. Hier kommt ins Spiel, dass ich meine eigenen Ansichten zum Thema Gesundheit habe und Fakt ist, dass ich mich lange gegen die starken Medikamente gewehrt hatte. Am Ende hatte ich nachgegeben und wollte mich auch bereiterklären, vielleicht daneben gelegen zu haben. Aber was war? Die Medikamente haben absolut nichts erreicht und die Anfälle gingen munter weiter. Das brachte mich zurück zu meinen Theorien. Was wäre wenn...

Seitdem habe ich es mir zum Ziel gemacht meinen Hund anfallsfrei zu bekommen. Körperlich ist er kerngesund, auch im Gehirn haben sie nichts gefunden, es muss daher etwas Äußeres sein. Sicher, dass kein Tierarzt mir darin zugestimmt hätte, aber man hatte mir in der Vergangenheit auch schon schulmedizinische Ideen zum Thema Augen und Allergien versucht zu vermitteln, die ich für mich widerlegen konnte. Von einer extrem starken Nahrungsmittelallergie, Stauballergie, Pollenallergie und Tierhaarallergie über 15 Jahre hinweg, bin ich seit nun mehr als zehn Jahren komplett frei von Allergien. Ein medizinisches Wunder nannten sie mich und ich habe laut gelacht. Und die Augen? Vor einen Monat habe ich einen Sehtest machen lassen und seitdem schwarz auf weiß, dass sich meine Augen in den letzten 2 Jahren um über 1 Dioptrien verbessert haben. Schon wieder ein medizinisches Wunder? Für Schulmediziner sicher ja. Aber ich will auch keine Grundsatzdiskussion vom Zaun brechen, Fakt ist nur, dass ich oftmals anderer Meinung bin und meine Ideen entwickle ich nur auf einer gewissen Logik, die ich sehe, basierend und für die es auch diverse Anhänger gibt. Kurz und gut, ich glaube nicht daran, dass mein Hund krank ist. Seine Anfälle werden das Ergebnis von schlechten Entscheidungen sein und neben den Ideen, die wir schon hatten (Dosenfutter und Auslecken von Dosen...), weiß ich, dass es Theorien über Hundeanfälle und Ernährung gibt. "Das hat damit nichts zu tun", sagen unsere Tierärzte. Aber die konnten Ludwig nun ja auch nicht helfen, also erlaube ich mir nun meine Theorie zu testen. Seit sechs Wochen koche ich für ihn jeden Tag frisch, Gemüse, Fleisch, Kartoffeln...Cibo casalingo nennt sich das hier in Italien und ich bin zum Lernen verschiedenen Gruppen beigetreten, die ausschließlich für ihre Hunde kochen und auf jegliches Industriefutter verzichten.

Was soll ich sagen, wir haben heute genau einen Monat anfallsfrei! Das ist uns eine Feier wert! Und nicht nur das - sogar der Tierarzt musste zugeben, dass Ludwig völlig verändert ist: er ist wach, schnell, lebendig, unsere tägliche Tour von knapp 40 Minuten schaffen wir seit einigen Wochen in 30 Minuten. Nachts schläft er durch und er muss viel weniger raus als früher, um seine Bedürfnisse zu erledigen. Unser Hund ist wieder zurück! Er hat nichts mehr gemein mit dem Wrack, was wir den Sommer über gepflegt haben, wacklig auf den Beinen, unmotiviert, nervös. Und das motiviert mich natürlich mich schon am Morgen als erstes an das Zubereiten seines Essens zu machen. Sicherlich aber ist es auch zeitintensiv und ich bin noch dabei ein etwas effizienteres Verfahren zu entwickeln um das Kochen mit weniger Aufwand zu erreichen. Es sei denn andere Personen würden mir jegliche andere Arbeiten abnehmen - dann könnte ich mich auch Vollzeit mit dem Kochen und Backen für Hund, Haus und Hof beschäftigen.

Natürlich habe ich auch noch offiziell einen Beruf. Mein ganzes Lernen fließt in Wissen, was ich beruflich nutzen kann und will. Mit aller Kraft arbeite ich daran meine Stunden und Lektionen immer weiter zu verfeinern. Jeder neue Schüler, jedes neue Seminar pusht mich immer mehr zu lernen und immer mehr zu machen. Drei Vorträge soll ich dieses Jahr noch halten, ein Radiointerview auf Italienisch soll dabei sein, mein Immigrationsprojekt für Italiener in Deutschland habe ich zwischendurch noch gestartet und mein erstes Webinar habe ich auch vor Kurzem gehalten. Von allen Seiten wurden Stimmen laut, ich sollte doch mal Videos machen. Erst wollte ich nicht - Zeitaufwand, Technikaufwand - aber am Ende gab ich nach. Ich fing an Videos für Facebook zu machen, die innerhalb von wenigen Stunden auf Hunderte von Views kamen und am Ende startete ich nun auch meinen eigenen YouTube-Kanal. Was soll ich sagen, seitdem ich gelernt habe meine Videos zu bearbeiten, könnte ich ebenfalls in Vollzeit drehen und hochladen, drehen und hochladen. Wenn ich nicht noch lernen, unterrichten, kochen müsste und auch keinen Haushalt hätte, würde ich das sofort tun, denn es macht auch noch richtig Spaß. Leider machen mir aber auch all die anderen Sachen Spaß.

Und was ist das Ergebnis? Ich zeige glücklicherweise eine Disziplin, die mir früher immer abgegangen ist. Ich schiebe nicht mehr auf, ich warte nicht mehr ab, ich klotze jetzt hauptberuflich ran um meine verschiedenen Vollzeitleben irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Privatleben? Was ist das? Seit Wochen schon habe ich niemanden mehr einfach so getroffen, ich habe auch keine Filme mehr geschaut, ich war in keinen Geschäften (außer im Baumarkt für die Renovierung und im Supermarkt für den Einkauf), habe kein privates Buch mehr gelesen, natürlich war ich auch nie am Strand oder saß einfach mal so in der Sonne. Ich stehe auf, klotze ran und gehe ins Bett. Und das an sieben Tagen die Woche.

Wohin es führen wird? Keine Ahnung, ich hoffe einfach, dass mein Instinkt mich auch diesmal nicht trügt und dass all die Arbeit, all die Hindernisse, all der Frust und all die Disziplin den Weg ebnen zum Start eines rundherum neuen Kapitels. Ein Bootcamp sozusagen, aber eines, das sehr auf mich zugeschnitten ist und mich zur Höchstform auflaufen lässt...



Monday, September 25, 2017

Eindrücke einer Nachwandernden...

Viiiiel passiert gerade in diesen Tagen. Das Problem mit Ludwigs Anfällen haben wir noch immer nicht gelöst. Er ist resistent gegen die Medikamente, die er seit einem halben Jahr einnimmt und reagiert auch noch allergisch auf das erste Mittel. was bedeutet, dass er sich im Minutentakt am ganzen Körper kratzt und beißt. Was es bedeutet das Haus nicht verlassen zu können und täglich mit einem neuen Anfall zu rechnen, das versteht vermutlich nur jemand, der in der gleichen Situation ist wie wir. Ich bin in einer Gruppe der Halter von Hunden mit epileptischen Anfällen und ich kann sagen, dass es nicht schön ist. Bei vielen anderen wirken die Medikamente ebenfalls nicht und gerade heute schrieb eine Hundemutter, dass ihr Baby im September bereits 18 Anfälle gehabt hat. Es ist ein Alptraum, man ist wie gefangen in einem Fegefeuer. Aber dies ist ein Thema für sich. Wir sind inzwischen halbwegs überzeugt davon, dass eine Nahrungsmittelallergie der Auslöser allen Übels ist und dass diese auf die vielen Jahre des Industriefutters zurückzuführen ist, das Ludwig bis heute konsumiert hat. Seit rund einem Monat koche ich für ihn frisch - zweimal täglich - nach Ideen der Alimentazione Casalingo - Hausmannskost. Wieso ich das Thema auf Italienisch verfolge ist recht einfach: die Zutaten, die ich kaufe und die Rezepte, die ich nachkoche und mit anderen Betroffenen diskutiere, sind auf Italienisch. Auch mit unserem Tierarzt diskutiere ich die Problematik auf Italienisch. Und damit ist es einfacher für mich gleich auf Italienisch zu bleiben.

Auch die Wildschweinproblematik ist noch nicht gelöst. Seit einer Woche ist die Jagd auf die Wildschweine offiziell eröffnet, und ich stehe dazu, dass mich das freut, selbst wo ich mich als Animalista bezeichne und es mir um die individuellen Schweine leid tut. Aber ich kann den Lebensraum nicht mit ihnen teilen. An manchen Abenden laufen sie schon gegen 21 Uhr vor unserem Haus auf und ab. Und sie sind groß. Mit einigen Ebern gab es schon unerfreuliche Zusammentreffen und sobald es dunkel wird, geht man nicht mehr einfach so zum Auto oder zum Müll. Man schaut mehrfach in alle Richtungen, ehe man sich schnell auf den Weg macht. Und sie sind überall. Manchmal alleine, manchmal mit ganzen Herden. Sie haben in Massen Zäune, Gärten und Ernten zerstört, sie haben einen Hund im Ort getötet und sie sind einfach eine Gefahr im Zusammenleben.

Seitdem wir im Dunkel nicht mehr auf die Straße können, fahren wir gegen Mitternacht hinunter zu den Supermärkten, um dort unsere letzte Gassirunde des Tages am Fluss zu drehen. Vom Parkplatz zur Bushaltestelle, über die Straße, an der Pizzeria vorbei bis zu den geparkten LKWs, zur Ampel, wieder zurück, die Straße hoch bis zur Kurve und wieder zurück zum Auto. Und das jeden Abend. Manchmal völlig verzweifelt, wenn Ludwig mal wieder einen Anfall gehabt hat. Und manchmal sehr optimistisch, wenn sich viele gute Dinge ereignet haben. Manchmal liegt ein Mann auf der Bank an der Bushaltestelle. Manchmal warten Jugendliche auf den Nachtbus. Manchmal dreht ein Mann mit seinem kläffenden Miniaturhund seine Runden. Die Aushilfen im Supermarkt fahren mit ihren Paletten über den dunklen Parkplatz. Am Schlachthof steht manchmal das Tor auf, so dass man sich am Automaten einen Kaffee ziehen kann. Der 24h-Automatenbereich an der Straße hingegen ist versperrt und leer. Davor lädt das Rote Kreuz sein Auto mit einem Kabel auf. Manchmal stehen die Sanitäter mit einem Kaffee dabei. Die Bankfiliale nebenan ist seit mehreren Wochen verlassen, dennoch brennt jeden Abend Licht im Inneren. Offenbar macht sich niemand die Mühe es auszuschalten. Im kleinen Hof davor liegen umgestürzte Pflanzenkübel.

Die Außenwand der Bar neben dem Supermarkt weist große Risse auf. Über drei Abende hinweg stand gleich daneben eine leere RedBull-Dose, ohne dass sie jemand weggeworfen hätte. Ein Schwarzer kommt jeden Abend mit 2 Trolleys an und durchwühlt alle Müllcontainer nach Interessantem. Eine kurze, dicke Frau geht täglich gegen 0:30 zu Fuß den ganzen Weg nach oben in den Ort. Dabei telefoniert sie über die ganze Strecke hinweg. Wieso sie nicht den Nachtbus nimmt, ist mir schleierhaft. Bis zu zwei LKWs sind am Fluss geparkt. Manchmal liegen Essensreste auf dem Bürgersteig, wenn die Fahrer schon in ihren Kabinen schlafen. Die Plakate an den Wänden daneben ändern sich alle paar Wochen. Mal wurde ein Abendkurs zum Bauzeichner angeboten, mal Karaokeabende, mal eine Dinosaurierausstellung oder eine "Stille Disko". Ein Konzertabend, eine Sprachenschule, ein Hinweis auf eine King-Kong-Show, jetzt ein Abend mit Präsentationen zu verschiedenen Berufen. Daneben zwei offen stehende Sicherungskästen. Manchmal gehen wir bis zur Ampel und dann auf der Flussseite zurück. Manchmal laufen Wildschweine im trockenen Flussbett.

In der Pizzeria ist oft schon alles dunkel. Hin und wieder wird noch abgerechnet oder in der Küche geputzt. Wenn Ludwig den Kopf hereinstreckt heißt es "Ciao Bello!" und dann gehen alle wieder ihrer Arbeit nach. Sobald wir am ersten Mehrfamilienhaus vorbeikommen, schaue ich, ob es neue, interessante Werbeprospekte gibt, denn bei uns oben werden diese nicht verteilt. Im nächsten Mehrfamilienhaus brennt meist nur noch in einer Etage Licht. Jemand hat dort eine furchtbare Glühbirne von der Decke hängen und ab und an sieht man eine Person am Fenster auf einen Handybildschirm schauen. Die Küche nebenan hat noch viel scheußlicheres Licht - eiskalt und grünlich. Wie man so wohnen kann, ist mir schleierhaft. Am Parkplatz selbst ist ein Kommen und Gehen. Viele parken hier ihre Autos um dann gemeinsam irgendwelchen abendlichen Unternehmungen in der Innenstadt zu frönen. Wir sind nie dabei, wir schauen nur zu. Denn am Abend sind wir so müde, dass wir gar nicht mehr auf die Idee kämen noch etwas jenseits der letzten Gassitour zu unternehmen.

Es ist eine Welt für sich, die bei unseren nächtlichen Touren. Fast geheimnisvoll und ruhig. Und tagsüber ist hier high life, nie würde man den Ort im Hellen wiedererkennen. Nachts gehört er uns allein und auch wenn wir ihn aus der Not heraus aufsuchen, weil man bei uns oben vor den Wildschweinen nicht mehr sicher ist - die tägliche Nachtwanderung hast fast etwas Meditatives...



Thursday, September 14, 2017

Der lange Weg nach Norden III

...Es zog sich dann doch noch etwas bis zur Grenze, aber wenigstens war es noch hell, als wir nach Deutschland einfahren wollten. Wenn man uns denn gelassen hätte! Das Spiel kannten wir schon - Mannschaften zogen durch unsere Reihen und diesmal schien man sich einige Reisende genauer anzuschauen. Und selbst als alle kontrolliert waren, konnten wir noch immer nicht weiter fahren. Diesmal gab es keine Durchsage des Fahrers, diesmal kam er selbst nach oben und er hatte einen Trolley in der Hand: "Wem gehört der?! Ich sag's gleich - wenn sich keiner outet, dann passiert das Gleiche wie in Como! Also letzte Chance!" Egal wie, es gab sich niemand als Besitzer zu erkennen. Entnervt verschwand der Fahrer wieder nach unten und dann tat sich lange Zeit einfach gar nichts. Schließlich sah ich die alte Inderin, die aus dem Bus gebracht wurde. Sie gestikulierte wild und offenbar versuchte man sich zu verständigen, aber so richtig gelang das wohl nicht. Der Fahrer kam wieder hinauf zu uns: "Also - die Passagierin da draußen, deren Fahrt hier endet, die sagt irgendwer hier an Bord würde ihre Sprache sprechen! Wer hat mit ihr gesprochen?" Niemand regte sich. Irgendwann fiel dem einen Italiener etwas ein, und zwar, dass man ihn gebeten hatte darauf zu achten, dass die Frau in Frankfurt auch aussteigen würde. Er meldete sich, aber sagte gleich, dass er keine Ahnung hätte wer die Frau denn sei und auch nicht was sie in Frankfurt wollte.

Egal, das genügte um ihn ebenfalls aus dem Bus zu holen. Draußen gestikulierten inzwischen immer mehr Menschen um die Wette - wobei ich mich frage in welchen Sprachen; sogar ein Japaner stand dabei -  andere rauchten oder rannten zur Zolltoilette. Zu allem Überfluss wurde es langsam dunkel! Als der Fahrer schließlich seine Schafe wieder einfing und in den Bus trieb, war weit über eine Stunde vergangen! Wir rumpelten über die Grenze und von jetzt an war die Hälfte von uns am schlafen und die andere Hälfte telefonierte in allen Sprachen um Abholende zu informieren oder Züge umzubuchen.

Gegen 22 Uhr - nach sage und schreibe 10 Stunden an Bord - fuhren wir schließlich zu unserem ersten deutschen Halt in Freiburg. Hier verließ uns unser Fahrer und wünschte uns Glück für die weitere Reise. Ein Frischer wurde hinters Steuer gesetzt und erklärte schnell, dass wir so spät seien, dass bitte niemand den Bus verlässt, so dass wir ohne weitere Verzögerungen weiterfahren konnten. Nach wenigen Minuten aber kam erneut eine Durchsage, es ginge jetzt doch noch nicht weiter, denn es gäbe noch eine Polizeikontrolle. Hinten rasteten einige langsam aus - wir waren jetzt innerhalb von 10 Stunden bereits dreimal kontrolliert worden, was zur Hölle war denn jetzt noch?!!

Wieder mussten wir alle unsere Ausweise vorzeigen und wieder hatte man es auf einige Passagiere abgesehen. Auch mein Sitznachbar war dabei. Er sprach kein Deutsch und wurde dann auf Englisch verhört. Was er in Deutschland tun wollte und wo er wohnen würde und wo genau er herkäme. Seine carta d'identità wurde von allen Seiten beleuchtet und seine Ausweisnummer per Telefon überprüft. Als die Kontrolle nach gut 15 Minuten vorbei war, lagen die Nerven blank. "Jetzt hatte ich wirklich Schiss!" ergab sich nach über 10 Stunden der Sitznachbarschaft das erste Gespräch zwischen uns. Seine in Frankfurt wartenden Eltern wurden gleich über den Zwischenfall informiert und ich, die ich gleich daneben gesessen hatte, war glatt mit aufgeregt gewesen.

Jetzt konnte es aber ja nicht mehr lange dauern. Völlig ohne Orientierung schoben wir uns im Bus weiter Richtung Norden...

Eigentlich hätten wir gegen 23 Uhr ankommen sollen. Das war nicht möglich, soviel war allen klar. Wobei niemand richtig durchblickte war, wie viel Verspätung wir tatsächlich hatten. Ebenfalls unbekannt war mir, in wie vielen Städten wir überhaupt noch halten würden. Ich hörte was von Mannheim, tatsächlich hielten wir aber in Heidelberg, Mannheim und Darmstadt, ehe wir endlich um 2 Uhr morgens mit sage und schreibe drei Stunden Verspätung in Frankfurt einfuhren. Selten hatte ich mich jemals so gefreut das Lichtermeer der Metropole zu sehen!

17 Stunden Trip und davon 13 Stunden ohne Toilette und 7 Stunden ohne jegliche Bewegung! Ich hätte stolzer auf mich kaum sein können! Sicher, man war müde, man war welk, man war steif, aber alles in allem war es ein spannendes Abenteuer, was ich sicherlich wiederholen werde...



Wednesday, September 13, 2017

Der lange Weg nach Norden II

...Richtig, bislang war alles glatt verlaufen, gar kein Problem. Freudig näherte ich mich der Schweizer Grenze - war das aufregend! Bei Como war Italien schon zu Ende und eine stattliche Mannschaft Grenzpolizei marschierte zwischen unseren Reihen auf und ab. Zum ersten Mal konnte ich meinen schicken neuen Ausweis vorzeigen, den im Scheckkartenformat. Ich bestand damit auch sofort und konnte ihn wieder einstecken. Dennoch standen wir erstaunlich lange auf dem Seitenstreifen. Ein weiterer Flixbus überholte uns schon. Was hatten die, was wir nicht hatten?!

Es kam noch schlimmer. Irgendwann wurde der Motor angeworfen, aber wir fuhren nicht vorwärts, sondern rückwärts. Um genau zu sein fuhren wir in eine Haltebucht, aus der man nicht so leicht abhauen konnte. Was war denn jetzt los?! Es kam die Durchsage des Fahrers: "So, alle aussteigen, jeder nimmt sein Gepäck aus dem Laderaum und stellt sich in einer Reihe draußen auf!" Es dauerte, bis ein Doppeldecker geleert war und mit ihm auch jeder sein Gepäck zur Hand hatte. Als wäre das nicht genug, brach von jetzt auf gleich ein Platzregen los. Wie ein aufgescheuchtes Kaninchen sprang ich mit meinem Koffer, der Tasche und dem Sack voller Proviant unter das Dach in eine Lücke zwischen zwei anderen Reisenden. Wir bildeten zwei saubere Reihen und standen uns etwas irritiert aber stramm gegenüber. Hinter uns wurden reihenweise die Fahrzeuge vorbeigewinkt, deren Passanten uns teils lange nachstarrten. Ja starrt ihr nur, bei uns war es wenigstens spannend!!

Ein Zollhund tat seine Arbeit, wobei wir nicht wussten, worauf er dressiert war. Meine Schinkensandwiches fand er sofort, aber das hätte mein Hund auch ohne Ausbildung gekonnt! Offenbar suchte er doch etwas anderes. "Hoffentlich geht es hier um Drogen und nicht um Sprengstoff", fand ich mich im Gespräch mit meiner Stehnachbarin wieder. Ich hatte ihr erst auf italienisch geantwortet, sie bliebt aber bei Englisch und am Akzent fand ich schnell raus, dass sie Deutsche sein musste. Es ist allerdings auch peinlich nach mehreren Minuten auf einmal die Sprache zu wechseln, also ging es munter auf Englisch weiter und ich erklärte ihr, dass sie keinerlei Angst haben musste vor dem Hund, selbst dann nicht wenn sie Drogen oder anderes in ihrem Gepäck hatte. Angst mussten eher die beiden Amerikaner haben, die weggeführt wurden. Sie verschwanden mit dem Hund und mehreren Zollbeamten in einer Kabine und wir anderen konnten uns dann wieder ans Einladen der Koffer machen. "Wie schon in Mailand - wir gehen der Städte nach vor! Erst Frankfurt!" meinte der Busfahrer und knappe 45 Minuten später waren wir dann doch wieder auf dem Weg nach Norden. Ach ja - die Amerikaner kamen im letztem Moment doch noch in den Bus zurück und konnten ihre Reise mit uns fortsetzen...

Die Landschaft sah schon sehr interessant aus! Offenbar vermieden wir jegliche längere Tunnel und kurvten damit auch einige sehr abenteuerliche Straßen hinauf und wieder hinab. Es gab viel zu sehen! Zu viel um es überhaupt auf Zelluloid bannen zu können. Das war etwas, was man am besten einfach live anschaute. Als die Straßen langsam öder wurden und es noch dazu auch regnete, widmeten sich die Fahrgäste langsam wieder ihren eigenen Beschäftigungen. Ich hatte einen Haufen Zeugs dabei - etwas zu arbeiten, einen Sachtext zu lesen, einen Brief zu schreiben und Filme auf dem Laptop. Diszipliniert wie ich nun einmal bin, nahm ich mir erstmal den Sachtext zur Hand. Grund genug für meinen Sitznachbarn ein sehr dickes und sehr farbloses Physikbuch zur Optik herauszuholen. Nach einigen Minuten entschied ich mich dann aber dennoch für einen Film auf dem Laptop. Immerhin auf Italienisch, das galt also fast schon als Arbeit! Mein Sitznachbar seufzte und schaute dann die meiste Zeit mit auf meinen Bildschirm, selbst wenn er ohne Ton nichts hören konnte. Spannender als das, was er da zu lernen versuchte, war es allemal. Gerade weil man keinen Ton hörte, gab ich mir auch besondere Mühe meine extrem leckeren Maiskekse von Grancereale so geräuschlos wie möglich zu knabbern. Was wiederum meinen Sitznachbarn dazu verführte seine Pringles herauszuholen. So eine Reisesituation hat schon etwas für sich. Im Leben nicht hätte ich mir vorstellen können, dass ich die Sekunden zählen würde, die zwischen dem Herausnehmen eines Pringles und dessen Knurpsen liegen. Mein Sitznachbar schaffte es, mindestens fünf Sekunden zu warten ehe er auf dem Chips herumbiss - offenbar wollte er ihn zur Geräuschminderung erst einmal einweichen...

Wir wechselten dennoch kein Wort miteinander. Stumm aßen wir unser geräuschvolles Proviant und versuchten uns auf die Arbeit zu konzentrieren. Als ich mich zwang meinen Text zur Consumer Neuroscience zu lesen - und zu verstehen - war auch mein Sitzbachbar wieder an seinen Physikaufgaben und tauschte deren Ergebnisse mit Kommilitonen via WhatsApp aus. Langsam hatte man das Gefühl sich schon seit Ewigkeiten zu kennen. Immerhin saßen wir ja auch schon seit 6 Stunden Arsch an Arsch...

In Zürich machten wir eine längere Pause, um uns die Beine zu vertreten. Nach all den Stunden, die inzwischen vergangen waren, wollte ich nun mal schauen, ob im Gegensatz zum ersten Bus die Toilette diesmal zu verwenden war. Nun - die Tür ging auf - ja - allerdings gab es kein Licht. Die Vorstellung in dieser dunklen Kabine in der Größe eines Sarges eventuell eingesperrt zu sein, war nicht berauschend. Und so zog ich vor gar nicht zu gehen. Ich hatte auch keine Schweizer Franken, sonst hätte ich mir im Umkreis etwas gesucht, was aber auch vielleicht nicht gut gewesen wäre. Laut fluchend kamen die Reisenden der Bank hinter mir von Starbucks zurück. 8€ hätten sie für eine popelige Schokolade plus Toilette bezahlt, niiiiie wieder...niiiie wieder! Ein Glück, dass ich am Bus geblieben war...

Aber halb so wild, die Deutsche Grenze war sicher nicht mehr weit...



Saturday, September 2, 2017

Der lange Weg nach Norden I

Ich gebe es unumwunden zu: nach 8 Jahren hängt mir der Flug Pisa-Hahn zum Halse raus. Anfangs war es noch spannend, und es war auch schön einen vertrauten Trip zu machen. Aber ich glaube, ich bin die Strecke bestimmt schon hundert Mal geflogen und immer allein. Es schreit also förmlich nach dem Bedarf an Alternativen. Erst hatte ich Bergamo aufgetan. Das ist etwa so weit wie Pisa und war mal etwas Neues. Aber nachdem Ryanair bei meinem diesmaligen Trip wahre Unsummen von mir verlangen wollte, war dies keine Option mehr.

Was für ein Glück, dass ich nur wenige Tage zuvor einen Flixbus an meiner Stammtankstelle hatte stehen sehen. Busse! Die gab es ja auch noch! Verschiedene Strecken in Erwägung gezogen und schließlich nannte ich für schlappe 40 Euro ein Ticket von Genua nach Frankfurt mein eigen.Ich fand es sogar richtiggehend aufregend mal eine Bustour zu machen, bei der man doch endlich mal hautnah erleben konnte, wie viel Strecke man wirklich die 800km hoch nach Norden zurück legt.

Um 8 Uhr irgendwas schließlich zog ich meinen Trolley in Genua Piazza Principe zu meinem ersten Bus nach Mailand. Wir fuhren pünktlich ab, der USB-Stecker in der Wand funktionierte, die Klimaanlange verwandelte knappe 30 in kühle 23 Grad. Okay, die Toilette war abgeschlossen, aber zwei Stunden lang würde ich es auch ohne aushalten. Gar kein Problem. Neben mir schnarchte bald ein Koreaner, während ich mir die Landschaft anschaute. Und auf die Minute pünktlich fuhren wir gut gelaunt in den Mailänder Busbahnhof ein.

Wo war die Toilette?? Einfach dem Strom nach! Bald stand ich in einer äußerst starren Schlange in der Bar an. "Muss man hier was kaufen?" fragte mich die Frau vor mir. "Beh, non lo so!" meinte ich und hoffte, dass ich nicht erst noch einen unnötigen Kaffee würde herunterkippen müssen um dann mit dem Bon Zutritt zur Toilette zu erhalten. Nein, so war es auch nicht - die Schlage war so elend langsam, weil es nur eine einzige Toilette gab und einige darin so furchtbar lange brauchten. Eine Gruppe ziemlich erwachsener Pfadfinder, die offenbar draußen geschlafen hatten, füllten einer nach dem anderen ihre Trinkflaschen am Spülbecken. Das hätte ich jetzt nicht getan, aber ich hatte eh sehr gut vorgesorgt!

Vielleicht sogar ein wenig zu gut. Nachdem ich endlich den dringenden Punkt erledigt hatte, konnte ich mich meinem Proviant widmen. Was packt man für 15 Stunden Trip ein? Offenbar viel zu viel, denn ich hatte insgesamt 4,5L Wasser dabei, 2 Packungen Kekse, ein Glas Wein im Tetrapack und 4 Vollkornsandwiches, von denen eines mit Erdnussbutter war und der Rest mit Senf, Käse und Schinken belegt. Das Essen im Freien war so eine Sache. Erst belagerten mich Schwarze, die Ware aller Art loswerden wollten und dann eine mindestens genauso lästige Biene. Irgendwann gab ich auf und suchte stattdessen meinen Bus Richtung Deutschland.

Ich hatte ja keine Ahnung, wie groß das Streckennetz dieser Fernbusse inzwischen war. Die Pfadfinder wollten nach Lyon, eine größere Menge Asiaten nach Venedig. Mein vorheriger Bus fuhr zurück nach Genua. Auch nach Rom startete bald einer und überhaupt waren die Bussteige bis auf den letzten Zentimeter voller Menschen.

"Ach Mannnnnnn, da kommen wir ja nie problemlos rein", hörte ich plötzlich eine nölende Stimme in Zeitlupe neben mir sagen. "Komm, dann setzen wir uns erstmal wieder in die Sonne", antwortete eine weibliche Stimme im gleichen tranigen Tonfall. Sofort fühlte ich allergische Erscheinungen. Gut, wir standen alle unter Stress, insgesamt war es nicht einfach sich in diesem Gedränge zurecht zu finden. Unser Busfahrer machte sich an die elende Aufgabe in 3 Sprachen durchzugeben, dass er die Koffer nach Städten sortieren wollte. Von allen Seiten wurden ihm Gepäckstücke nach oben gereicht - ob überhaupt jeder verstanden hatte um was es ging, war dabei eine andere Sache. Eine - vermutlich indische - Frau von - vermutlich - 80 wurde einem Italiener in Obhut gegeben. Sie würde kein Italienisch können, und ob er vielleicht ein Auge darauf werfen würde, dass sie in Frankfurt aussteigt? "Frankfurt ist die Endhaltestelle, aber gut, ich achte drauf", kam zurück. Alle schoben. "Ihr seid nicht besser als Schafe", beschwerte sich ein Mann an der Tür. "Meint ihr, ihr verpasst was, wenn ihr nicht als Erste in den Bus kommt?!" Das Schieben ging unaufhaltsam weiter. Wir hatten alle ein Ticket, aber der Herdendrang kann eben doch alle Vernunft überschatten. Schließlich saß ich auch und zwar da, wo ich nicht sitzen wollte: oben, am Fenster und ohne Steckdose! Wenigstens saß man gut. Man konnte viel sehen. Jetzt konnte die Fahrt losgehen...



Wednesday, August 16, 2017

Anmeldarsi...

Was für ein Wort? Ja, richtig gelesen: anmeldarsi. Diese italienische Wortschöpfung lief mir neulich über den Weg als ich Unterhaltungen von Italienern in Deutschland verfolgte. Und was soll das sein? Eine Mischung aus dem deutschen Verb "sich anmelden" und der italienischen Grammatik eines reflexiven Verbs, bei dem man ein "si" an den Infinitiv hängt, wo man im Deutschen ein "sich..." stehen hat.

Die besagte Unterhaltung hatte ihren Auslöser in der resoluten Kritik einiger Italiener, die sich beklagten, dass anmeldarsi einfach kein Wort sei und es hieße gefälligst "registrarsi" und wieso ein Wort erfinden, wo die Sprache doch schon eines hat. Es folgten Ausflüge in Lobeshymnen auf die italienische Sprache, die beste und schönste überhaupt und eine Spaltung der Teilnehmer in Gegner und Befürworter der Sprachschöpfung.

Als Linguist musste ich mich sofort einschalten in die Diskussion. Fakt ist, dass Sprache nie statisch ist, sondern sich kontinuierlich verändert, indem sie benutzt wird. Alte Begriffe fallen weg, sei es weil ein neuer Begriff praktischer ist oder weil die Situationen, die sie beschreiben, nicht mehr vorkommen. Und ebenso kommen neue Situationen, für die man keine Ausdrücke hat, so dass man entweder neue Wörter entwickelt oder aber von anderen Sprachen übernimmt, die diese Situation bereits beschreiben können oder mitgebracht haben. Das sehen wir auch an Begriffen zu Gegenständen wie Kleidung oder Lebensmitteln, die es vorher im eigenen Kulturkreis nicht gegeben hat. Dazu muss man auch gar nicht auf Naheliegendes schauen wie "Spaghetti", auch Joghurt ist nicht deutsch, ebenso Pfirsich nicht. Je länger ein Wort in der Sprache ist, desto weniger sieht man ihm an, dass es vorher noch nicht da war.

Man kann sich gegen solche Veränderungen wehren, aber es bringt nicht viel, denn Sprachwandel ist ein natürlicher Prozess, der stattgefunden hat, seitdem es Sprache gibt und kein Duden wird ihn je aufhalten können.

Was anmeldarsi angeht, verstehe ich natürlich den Unmut einiger Italiener, die von Sprachverfall sprechen und sich ärgern, wieso ein neues Kunstwort verwendet wird, wo man doch auch in der eigenen Sprache einen passenden Begriff hat. Theoretisch ja. Kulturell gesehen gibt es jedoch Unterschiede. Registrarsi kann alles Mögliche sein, was eine Anmeldung verlangt. Anmeldarsi hingegen verstehe ich als Schritt in Deutschland offiziell seinen Wohnort anzumelden, was geschichtlich gesehen möglicherweise später einmal von kultureller Wichtigkeit sein kann. Tausende junger Italiener verlassen in diesen Jahren das Land, viele unfreiwillig und aus rein ökonomischen Gründen. Anmeldarsi wird damit nicht nur zum Vorgang des sich Anmeldens, sondern auch zum Begriff der Emigration und Integration in eine neue Kultur, der für vielleicht die Hälfte für Hoffnung steht und für die andere Hälfte für Exil und Entwurzelung.

Vom kulturellen Faktor mal abgesehen: der Begriff anmeldarsi wird nur von Italienern im deutschsprachigen Raum benutzt und verstanden. Wenn das mit immer mehr Begriffen geschieht, haben wir Sprachwandel vom feinsten, der nachvollziehen lässt, wie beispielsweise Dialekte funktionieren oder selbst, wie sich unzählige heutige Sprachen auf die gleiche Ursprache zurückverfolgen lassen. Gruppen spalten sich ab und entwickeln eine neue Art sich auszudrücken. Daher unsere Sprachenvielfalt. Dagegen gesträubt wird sich immer mal. Auch im englischsprachigen Raum gibt es eine Bewegung, die versucht ausschließlich germanische Begriffe zu verwenden. Oft wird diese "Anglish" genannt und sie haben es nicht so einfach, denn auch wenn das Englische noch immer zu den germanischen Sprachen gehört, sind nur rund ein Viertel der heute verwendeten Wörter germanischen Ursprungs. Über die Hälfte kommt aus dem Romanischen, hauptsächlich Latein und Französisch. Und die meisten Sprecher machen sich darüber logischerweise keinen einzigen Gedanken, denn die Sprache ist wie sie nun einmal gerade gesprochen wird.

Auch anmeldarsi könnte irgendwann offiziell dazu gehören. Immerhin wird es sauber konjugiert, man sagt "mi sono anmeldato" und spricht von "L'anmeldung". Völlig korrekt, das alles. Und ich nehme mich da gar nicht aus. In unserem Haushalt werden auch Sprachen fröhlich gemixt, meistens Mischformen aus dem Italienischen und dem Englischen. Wir sagen beispielsweise "Cosa watchiamo stasera?" wenn es um einen Filmabend geht oder "Quando shoppiamo?" wenn wir einkaufen müssen. Es mag dem ein oder anderen Sprachpuristen sauer aufstoßen, denn wir reden aus reiner Faulheit so und nicht, weil das andere Wort irgendwie geeigneter wäre. Allerdings ist uns noch sehr bewusst, welches Wort zu welcher Sprache gehört und all dies findet ausschließlich in den eigenen vier Wänden statt.

Dennoch sehe ich es so, dass die Sprachrichtigkeit in der Komplexität der angewendeten Ausdrücke besteht. Wir reduzieren oder vereinfachen nichts, wie man es oft beim Radebrechen erlebt, wenn Artikel oder Präpositionen einfach weggelassen werden oder Endungen fehlen. Wir mixen einfach Wörter aus verschiedenen Quellen, so wie es auch bei anmeldarsi geschieht. Auch die Italiener haben solche Mischformen schon anerkannt, die im Alltag eine Rolle spielen: cliccare, taggare, um nur zwei zu nennen...



Tuesday, August 1, 2017

Werft doch mal einen Blick auf diesen Blog...

...von Julia von "Italien und Ich", die von ihrem aufregenden Leben in Süditalien berichtet. Julia arbeitet in Bari als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und ist damit wie ich dem Schreiben ebenso verfallen wie den Sprachen. Wer sich einen Eindruck vom Leben einer Deutschen in Apulien verschaffen will, dem lege ich "Italien und Ich" dringend ans Herz! Ihr findet viele kulturelle Hinweise, aber auch sprachliche, sowie jede Menge persönlicher Erfahrungen:

http://www.italienundich.com/

Es gibt auch einen Gastbeitrag meinerseits zum Thema "Überleben im Straßenverkehr":

http://www.italienundich.com/blog/2017/08/01/survival-guide-strassenverkehr-italien/



Thursday, July 13, 2017

Nachtwache...

Manchmal muss man arg die Zähne zusammenbeißen. Und jetzt ist mal wieder so eine Zeit. Ludwig hat trotz Medikamenten noch immer epileptische Anfälle und vorgestern gab es davon gleich zwei. Seitdem war ich gezwungen jeden Unterricht und alle Aktivitäten außer Haus abzusagen, weil ich ihn nicht alleine lassen kann. Ich kann auch nicht zum Einkaufen fahren, weil ich ihn dann alleine im Auto lassen müsste. Ich kann auch niemanden ins Haus lassen, zumindest niemanden, der das Problem nicht am eigenen Leib erlebt hat. Also bleibe ich zu Hause, achte darauf, dass keine Kabel auf dem Boden liegen, dass keine Stühle im Weg stehen und das nichts Zerbrechliches auf den Tischen steht. Denn von jetzt auf gleich kann er einen Anfall haben, fällt dann steif auf den Boden, hat Krämpfe, liegt im Urin, schäumt aus dem Maul und dann rudert er wild mit allen Armen und Beinen. Dabei drückt er Möbel weg, wirft Stühle um oder schlägt mit Kopf oder Pfoten gegen harte Ecken.

Seitdem er das Medikament nimmt, ist er im Anschluss nicht mehr orientierungslos. Er bleibt meistens erstarrt liegen, wacht dann irgendwann auf und ist dann körperlich wieder fit. Zumindest im Vergleich zu vorher, wo er typischerweise noch eine halbe Stunde lang wild hechelnd durch die Gegend gelaufen ist und dabei auch das ganze Haus schmutzig gemacht hat. Dennoch ist noch keine Lösung da; die Anfälle kommen regelmäßig, rund 20 seit März. Jetzt hat er ein neues Medikament dazubekommen. Es wird nicht garantiert, dass es funktioniert und nach allem was ich mitbekommen habe, glaube ich auch nicht daran, dass es funktioniert. Über die Krankheit ist im Grunde nichts bekannt und ich habe mit Diagnosen eh so meine Probleme. Meiner Meinung nach ist das Problem simpel und die Ursache müsste festgestellt werden - nicht starke Medikamente gegen den unbekannten Feind gegeben werden.

So oder so ist das Problem da und schränkt uns alle massiv ein. Nicht nur Arbeitsausfall ist die Folge, wir halten auch Nachtwache auf dem Sofa. Seit zwei Tagen. Denn wenn es wieder passiert, müssen wir zur Stelle sein.

Zu allem Überfluss sind wir auch von Wildschweinen überrannt worden. Sobald es dunkel ist, bevölkern sie die Straßen. Lange vorbei die Zeiten, in denen man um Mitternacht noch mal eben eine Runde ums Haus machen konnte. Vorgestern rief mich meine bessere Hälfte gegen 22 Uhr an. Ich sollte ihn und Ludwig mit dem Auto abholen kommen, sie seien umzingeln und könnten nicht nach Hause. Dabei waren sie nur gut 100m weit weg. Ich lief sofort nach draußen und als ich das Auto die Auffahrt hochfahre, treffen die Scheinwerfer auf einen riesigen Eber auf dem Bürgersteig, der mich stoisch anschaut und dann laut grunzt. Ihm folgen mindestens drei weitere, etwas kleinere Erwachsene und dann eine Schar Frischlinge. In der Kurve steht meine bessere Hälfte mit Hund und einigen Nachbarn. Viele Autos fahren, die Wildschweine mittendrin. Wir fahren weiter Richtung Stadt und gehen unsere inzwischen neue obligatorische Spätabendrunde im Gewerbegebiet. Hier wurden bislang eher tagsüber Wildschweine gesichtet, aber man könnte sie im Zweifelsfall von Weitem schon sehen. Und wenn wir wieder nach Hause kommen, fahren wir vorsichtig auf den Parkplatz, einer geht vor und checkt die Lage und erst wenn die Luft rein ist, darf Ludwig aus dem Auto. Es ist nicht einfach ein dunkelgraues Wildschwein in einer dunklen Nacht zu erkennen, gerade wenn es sich nicht bewegt.

An den letzten beiden Abenden, wo wir sowieso schon mit Epilepsie und Frustration zu kämpfen hatten, war jedes Mal kein Wildschwein zu sehen, wenn wir mit dem Auto ankamen. Jedoch dauerte es beide Male nur maximal fünf Minuten, bis wir die Nachbarshunde hysterisch bellen hörten. Das ist das Zeichen, dass die Schweine wieder unterwegs sind. Auf allen Wegen grasen sie ab, was sie bekommen können. Sie wühlen in der Erde, reißen Pflanzen heraus und fressen laut schmatzend das Obst, das von den Bäumen fällt. Sie sind überall und hätten wir das hohe Gartentor nicht, kämen sie bis an die Haustür. Jurassic Park lässt grüßen! Wir sind belagert und ich frage mich wo die Tage hin sind, an denen man einfach ganz normal leben konnte, ohne Anfälle und ohne Belagerung und ohne Nachtwachen auf dem Sofa, in denen man bei jedem Laut sofort aufspringt. Wo man auch mal das Haus verlassen konnte, sei es um zu arbeiten oder irgendwo etwas trinken zu gehen.

Ich nutze meine Ausgangssperre und meinen Arbeitsausfall für Fernseminare an amerikanischen Unis. Ich habe Psychologie, Pädagogik und Neurobiologie belegt und habe meine Konzentrationsfähigkeit auf Knopfdruck enorm schulen können. Ich werde regelmäßig unterbrochen und muss den Hund immer im Blick haben, aber mir gelingt es immer wieder schnell ins Lernen zu kommen. Und ich bastel an neuen Projekten, in der Hoffnung, dass es bald wieder aufwärts geht...



Wednesday, June 28, 2017

Deutsche im Ausland e.V. - Jetzt bin ich auch vertreten...

Deutsche im Ausland e.V. - ein toller Verein, der mit vielen Informationen Deutschen im Ausland weiterhilft. Wer darüber nachdenkt auszuwandern, sollte dieser Seite einen Besuch abstatten. Es gibt auch jede Menge Erfahrungsberichte von Auswanderern aus aller Welt.

Ab heute bin ich auch mit Italien vertreten:

https://www.deutsche-im-ausland.org/im-ausland-leben-und-arbeiten/leben-im-ausland/erfahrungsberichte/italien-lehrerin.html



Neues Interview auf Bloggerherz

Kennt ihr schon die Seite Bloggerherz.de? Schaut doch mal rein, hier kommen Blogger zu allen möglichen Themen zusammen.

Ich danke Christian Gera für das sympathische Interview! 😄

http://www.bloggerherz.de/2017/06/28/blogger-interview-38-bloggerherz-trifft-catherine-von-expatriateintuscany/


Sunday, June 25, 2017

Interview zum Thema: Italienische Männer...

Mit Dank und besten Grüßen an Maike Brenner für dieses spaßige Skype-Interview!



Südländische Männer gelten ja schon seit langem als absoluter Traum nordischer Frauen. Was macht deiner Meinung nach ihr Reiz aus?

Das kann ich dir leider gar nicht beantworten, denn sie haben nie zu meinem Beuteschema gehört!


Nein, was für eine Überraschung, das macht mich jetzt mehr als neugierig! Also für einen feurigen Latin-Lover konntest du dich nie begeistern?

Das stimmt. Ich weiß aber natürlich, dass sich viele Frauen von diesem Typus Mann angezogen fühlen und ich möchte auch mal behaupten, dass das vielfach der Grund ist, wenn Frauen nach Italien gehen, sei es im Urlaub oder auch fürs Auswandern.


Du bist dann aber auch für einen Italiener ausgewandert.

So formuliert hört es sich jetzt ungewohnt an, auch wenn es faktisch stimmt. Zumindest kannte ich den besagten Italiener seit fast fünf Jahren und führte vier Jahre lang eine Fernbeziehung mit ihm. Ich hatte ihn also schon auf Herz und Nieren getestet.


Warum ausgerechnet dieser Italiener?

Weil ich mich in ihn verliebt habe. Aber nicht, weil er Italiener war, sondern weil er war wie er war bzw heute noch ist wie er ist. Dass er Italiener ist, ist ja nicht sein Hauptmerkmal. Mich überrascht es manchmal noch selbst, wenn ich so darüber nachdenke. Aber ich bin ja auch nach Italien gezogen, ohne jemals italophil gewesen zu sein, dann passt also auch, dass ich einen Italiener liebe, ohne Italiener zu lieben.


Du magst die Italiener nicht?

Nein, das kam jetzt ungeschickt rüber. Ich hatte Italiener nie als Beuteschema, so meine ich das. Deswegen wundert es mich nicht, dass ich genau deswegen einen Italiener liebe. Ich bin auch in Italien sehr glücklich, ohne es vorher als Sehnsuchtsland gehabt zu haben. Deswegen bin ich ohne jede Erwartungen umgezogen. Genauso bin ich in die Beziehung gegangen ohne klischeehafte Romantik und Leidenschaft zu erwarten.


Was macht deinen so besonders?

Als Italiener oder als Mann?


Beides.

Nun, er ist einfach mein bester Freund. Wir hatten keine Beziehung im Sinn als wir uns kennengelernt haben und verstanden uns einfach über Monate hinweg sehr gut. Da wir auch gemeinsam an einem Projekt gearbeitet haben, lernten wir uns in der Zeit recht gut kennen und haben am Ende stundenlang gechattet, bis wir erkannten, dass das so nicht weiter gehen konnte. Ich glaube als wir zum ersten Mal darüber gesprochen haben, hatten wir über eine Woche lang jeden Tag diverse Stunden AM STÜCK gechattet. Das hat unseren Alltag komplett auf den Kopf gestellt und irgendwann mussten wir uns der Frage stellen, was das jetzt alles für uns bedeutete.


Das leitet perfekt zu meiner nächsten Frage über: wie habt ihr euch kennengelernt?

Er gehörte zu einer italienischen Band, die ich damals - 2008 - viel gehört habe. Ich weiß auch nicht, was mich geritten hat, den Kontakt zu suchen, aber irgendwas hat mich damals irgendwie sehr in diese Richtung gepusht und ich kam über Fan-Foren schließlich zu MySpace, was damals noch in voller Blüte stand. Ich hatte zu vielen anderen Fans Kontakt und überraschenderweise schließlich auch zur Band. Das hätte ich damals nicht erwartet. Der Austausch war sehr positiv, auch wenn er der letzte der Gruppe war, den ich wagte anzuschreiben.


Das ist ja mal eine Story! Was war so beeindruckend an ihm?

Ich kann es gar nicht genau sagen. Er schien mir unglaublich wach zu sein, sehr intelligent, sehr direkt. Das hat mich am Anfang eingeschüchtert, bis mir andere Fans sagten, dass er sehr zugänglich und nett sei. Und nach einigen Wochen hab ich mich schließlich getraut ihm tatsächlich zu schreiben. Und dann wurd es erst richtig verrückt.


Nein, wie spannend!!

Er schrieb mir, dass er mal einen Song mit meinem Namen geschrieben hätte und ich die erste Person mit diesem Namen sei, die er tatsächlich kennenlernt. Damals wusste ich noch nicht, dass das für ihn tatsächlich noch viel weiter ging. Es ging da um die ideale Liebe und weil er nicht daran glaubte, hatte er nach einem Namen gesucht, mit dem er niemanden im echten Leben kannte, damit sich niemand in seiner Umgebung angesprochen fühlen sollte. Und dass ich dann so hieß, hat sofort seine Aufmerksamkeit geweckt. So kamen wir ins Gespräch.


Das ist ja schon fast klischeehafte Romantik! Wie in einem Märchen! Und dennoch wolltest du keinen Latin Lover?

Ach nein, so romantisch war das nicht, denn wir haben zu keiner Zeit geflirtet. Außerdem war er damals noch verheiratet. Es war ein sehr freundschaftlicher Austausch, der dann in Berufliches überging, als er dann irgendwann wusste, dass ich Englischlehrer bin und mich dann gefragt hat ob ich seine neuen Songtexte korrigieren würde. Das führte dann zu noch mehr Austausch, bei dem wir uns dann auch über die persönlichen Inhalte der Songs ausgiebig unterhalten haben und dann sollte ich noch einen Erzählerteil für das Album sprechen und am Ende war ich richtig Teil der Produktion. Das war für mich als unbekannte Person von weit weg natürlich der absolute Wahnsinn. So war es dann auch logisch, dass ich bald darauf zu einem Konzert nach Italien geflogen bin und so nahm das alles dann seinen Lauf.


Also für mich hört sich das an wie Romantik pur! Deutscher Fan trifft italienischen Rockstar und jetzt leben sie zusammen, das ist nicht das, was man jeden Tag erlebt. Das könnte auch eine Geschichte aus einem Teenie-Magazin sein, die unrealistische Erwartungen in den Lesern weckt. Und wenn jemand das wirklich erlebt - und dann auch noch mit einem Latin Lover - das klingt nach Märchen pur! Daraus könnten wir glatt mehrere Interviews machen. Kommen wir nochmal auf den italienischen Aspekt zu sprechen. Gab es interkulturelle Hürden, bzw. gibt es viele kulturelle Unterschiede zwischen euch und wenn ja, wo genau?

Eigentlich nicht wirklich. Ich glaube, wenn wir uns nicht so ähnlich wären, könnten wir gar nicht so entspannt zusammen leben. Ich glaube, wir treffen uns irgendwo in der Mitte zwischen den Kulturen. Ich bin nicht so arg deutsch was Stereotype angeht und er ist auch nicht so sehr typisch italienisch. Es gibt natürlich so einige Merkmale, die typisch italienisch sind. Der caffé ist ihm sehr wichtig, genauso wird er ganz pienzig, wenn mal kein Brot im Haus sein sollte. Zum Thema Brot habe ich auch schon einige Blogeinträge geschrieben, weil das wirklich ein running gag ist, wenn ich mit Italienern zu tun habe. Für jemanden, der aus dem Land mit den meisten Brotsorten kommt, ist das lustig zu sehen, was in Italien für ein Geschiss ums Brot gemacht wird. Ich könnte z.B. auch ganz ohne Brot gut leben. Und den caffé trinkt er zu Hause und dann muss er dennoch einen weiteren in einer Bar nehmen; ich glaube das ist in seiner DNA verankert. Und er ist auch extrem auf italienische Nahrung fixiert und zieht italienische Gerichte allen anderen vor. Am Anfang hat er immer gekocht, inzwischen koche ausschließlich ich.


Und die Mamma?

Ja, das ist auch so ein Thema für sich. Mit einem Mammone könnte ich nicht zusammen leben, ich glaube, das hätte unsere Beziehung schnell ruiniert. Wir haben allerdings ein ganzes Jahr lang mit den Schwiegereltern unter einem Dach in einem Haushalt gelebt und ich sage mal, da kamen auf einmal Dinge hoch, die kamen voll aus der Klischeekiste und waren nur schwerlich zu ertragen. Über das Jahr könnte ich ein Buch schreiben, wir haben alle ziemlich gelitten. Im Nachhinein war es dennoch kulturell sehr interessant. Aber: nie wieder! Meine Schwiegermutter fing nach fünf Jahren an jedes Vorurteil zu bestätigen und mein Partner verwandelte sich in einen aufmüpfigen Teenager, der zickig auf die Mutter reagiert, sich aber nicht wirklich wehrt. Das war eine Seite an ihm, die mir neu war.


Das hört sich brisant an! Was ist denn da vorgefallen?

Nun sie hat sich in alle Angelegenheiten eingemischt, den kompletten Haushalt an sich gerissen, die Einrichtung bestimmt und was gegessen wurde und es verging kaum ein Tag an dem nicht der Haussegen schief hing. Sie kam schon mal nachts in unser Schlafzimmer gelaufen um das Fenster zu schließen und hat in der Küche alle Dinge willkürlich in Schubladen und Schränke gepackt, Essen, Geschirr, Mülltüten, Kreuze, Zettel, Nähmaterial, alles wild durcheinander. Niemand hat mehr durchgeblickt, nicht einmal sie. Eine Weile lang habe ich hartnäckig nachts wieder für Ordnung gesorgt und sie im Laufe des Tages alles wieder verstreut, aber der Krieg ließ sich nicht aufrecht erhalten.


Das ist ja ein Alptraum! Unterscheiden sich italienische Schwiegermütter sehr von deutschen?

Mit deutschen Schwiegermüttern habe ich nicht viel Erfahrung, das kann ich leider nicht vergleichen. Die italienische Schwiegermutter ist meiner Erfahrung nach aber besonders verschrien, gerade wenn der Sohnemann auch noch sehr an ihr hängt, was jetzt bei uns nicht der Fall ist. Aber es war auch in meinem Fall übel genug - im Nachhinein allerdings finde ich das alles auch sehr unterhaltsam. Es ist ja vorbei. Inzwischen verstehen wir uns auch wieder richtig gut. Alle sind einfach nur erleichtert, dass sich unsere Wege getrennt haben. Wenn wir uns jetzt sehen, ist es ja nur zum Besuch. Außerdem schreibt mir meine Schwiegermutter jetzt immer nette Nachrichten auf WhatsApp und wünscht sich Fotos von uns und den Tieren. Da kann ich also nicht klagen.


Hätte sich deine Schwiegermutter eine italienische Frau für ihren Sohn gewünscht?

Anfangs schon. Ich bin nicht die erste ausländische Schwiegertocher, die sie haben und es hatte viele Probleme vor mir gegeben, auch schon was die geografische Distanz anging und eine Italienerin hätte in ihren Augen mehr Stabilität bedeutet. Aber sie haben mich nie abgelehnt. Im Gegenteil, gerade in den ersten Jahren bin ich bei jedem Besuch zu Verwandten und Bekannten geschleppt worden um denen vorgestellt zu werden. Manchmal gibt es die eine oder andere Spitze gegen Deutsche, aber das ist humorvoll gemeint.


Ein gutes Stichwort - die Großfamilie. Welche Rolle spielt sie bei euch?

Mein Partner ist jemand, der sich gerne zurückzieht und seine Ruhe hat. Um die Großfamilie macht er einen Bogen und sucht auch nicht den Kontakt zu den unmittelbaren Verwandten. Wir haben mehrere Jahre lang Santa Lucia im Dezember mit der Großfamilie gefeiert und im August noch einmal Ferragosto und damit hatte es sich. Gerade als ich noch kaum Italienisch konnte, waren diese Familienereignisse immer sehr anstrengend für mich. Heute kann ich mich mit allen unterhalten, aber ich bin auch jemand, der sich gerne zurückzieht, deswegen bin ich heilfroh, dass wir immer unter uns sind - gerade seitdem wir nach Ligurien gezogen sind und damit 100km weit weg von der Großsippe.


Also ein ruhiger, eher introvertierter Italiener, der nicht eng mit der Mutter ist und Familientreffen aus dem Weg geht. Entspricht er denn wenigstens optisch dem Klischee?

Nur bedingt. Er ist über 1,90m groß und hat blaue Augen.


Das klingt alles in allem nach einer ausgewogenen Mischung aus typischen und untypischen Aspekten. Was war denn das Romantischste, was er bisher gemacht hat?

Ich würde jetzt gerne behaupten es sei der Song, den er damals geschrieben hat, aber das war ja viele Jahre vor meiner Zeit. Er hat mir später sogar tatsächlich einen Song geschrieben, hat dies aber nicht an die große Glocke gehängt. Das Romantischste war glaube ich der Verlobungsring nach drei Monaten Beziehung. Uns war gleich von Anfang an klar, dass wir eine richtig gute Konstellation zusammen sind. Wir hatten sehr viele externe Hürden zu überstehen, aber sind intern seit über acht Jahren krisenfrei.


Dann drücke ich die Daumen, dass es genau so weitergeht und ihr bald die langersehnte Hochzeit angehen könnt!









Friday, June 23, 2017

Es grunzt auf dem nächsten Level...

Wir haben ein Problem! Ein Wildschweinproblem! Alles nicht neu, ich weiß. Aber es tangiert uns inzwischen richtig. Und zwar nicht nur uns persönlich, sondern mehr oder minder die ganze Stadt. Und nicht nur hier.

Das Thema Wildschweine kam erst vor gut zwei Jahren auf, anfangs hörte ich nur mal, dass Wildschweine in den Wäldern gesichtet worden seien und Hundehalter sollten aufpassen. Der eine oder andere konnte dann mal eine eigene Sichtung ergänzen und eines Abends hörte ich lautes Grunzen aus dem Wald, während ich mit meinem Hundi eine späte Runde gedreht habe, weshalb ich mich fühlte wie in Jurassic Park und dann rannte, was das Zeug hielt.

Seitdem hat sich viel getan. Nicht nur, dass die Wildschweine inzwischen zum dritten Mal unsere Obstbäume auf dem Terreno völlig zerstört haben, dort von der hohen Mauer springen und dann wühlen. was das Zeug hält. Der Nachbar zählte vor einigen Wochen vierundzwanzig (24!) Schweine auf unserem Gelände, die wohl eine Art Party feierten. Deswegen haben wir das Terreno nie mehr betreten, sobald es dunkel war. Auf Facebook wurden dann immer häufiger Warnmeldungen geschrieben, wenn jemand aktuelle Sichtungen auf der Straße benennen konnte, meistens in der Art von "Achtung, soundsoviele Wildschweine auf der Via xyz um 22 Uhr. Sie liefen Richtung Sportplatz".

Nach und nach kamen auch Fotos. Nicht aus den Nächten, nein, mitten am Tag. Wildschweine im Fluss mitten in der Stadt, Wildschweine auf den Schulhöfen, Wildschweine zwischen den Mülltonnen, Wildschweine auf den Parkplätzen, Wildschweine überall. Langsam kamen die ersten Klagen zusammen: Sie zerstören die Zäune, sie zerstören die Ernte, einen Hund haben sie hier auch getötet! Und so wurde das Thema langsam zu einem öffentlichen.

Inzwischen ist es so weit, dass viele Anwohner die Sichtungen und Schäden den Behörden gemeldet haben. Dabei spalten sich noch die Lager in jene, die panische Angst haben, und jene, die die Schweine sogar füttern. Angst haben typischerweise die Hundehalter, die sich nicht mehr auf die Straßen trauen und all jene, die spät abends von der Arbeit nach Hause kommen und sich dann regelmäßig einem oder mehreren Schweinen gegenüber sehen.

Die rechtlichen Umstände sind unklar. Von der Comune war die Rede, von einer Forstpolizei, von Ehrenamtlichen und der großen Frage, wer hier zuständig ist, bzw OB jemand zuständig ist. Manche Aussagen widersprechen sich da; einige Anwohner, die sich an die Ämter gewandt haben, beklagten, dass man ihnen nur gesagt hätte, dass man nichts tun könne. Andere wiederum riefen andere Nummern an und bekamen ganz andere Zusagen gemacht. Eine Stelle sagte, dass in Wohngebieten nicht geschossen werden dürfe, eine andere sagte, dass es bald ein neues Gesetz gäbe, dass die Wildschweinkinder, sprich Frischlinge, zum Abschuss freigeben würde. Das will dann wieder auch keiner; nicht mal ich. Wieder andere sagten, es müsse lediglich das Familienoberhaupt erschossen werden, und daraufhin würden sich alle verstreuen. Ein ziemliches Chaos und nichts ist zufriedenstellend. Manchmal hört man Schüsse in den Wäldern. Einige Halter von Schafen haben Angst um ihre Herden und nehmen die Sache alleine in die Hand.

Und wir?

Wir gehen im Dunklen auch nicht mehr vor die Tür. Nicht einmal mehr zu den Mülltonnen. Inzwischen kommen die Schweine praktisch jede Nacht. Und zwar nicht mehr nur aufs Terreno, das etwas abseits vom Haus liegt, sondern sie kommen direkt vor unsere Haustür. Dort fressen sie die alten Kirschen, die stündlich vom Baum fallen. Sie haben sich auch durch alle Grünflächen gebohrt und sämtliche Blumen und Sträucher herausgebuddelt. Wir wissen, dass sie da sind, sobald die Nachbarhunde laut bellen und nicht mehr aufhören. Dann kann man typischerweise ein lautes Schmatzen hören oder ein Grunzen und sieht eine variable Anzahl an Wildschweinen hier auf den Fußwegen zwischen den Häusern und Gärten. Kleine und Große. Wobei sich die Großen einen Dreck um die Kleinen zu scheren scheinen. Während ich bei meiner ersten Sichtung vor dem Haus noch fast gerührt war eine ganze Familie zu sehen, habe ich jetzt ausreichend Szenen beobachtet, die mich glauben machen, dass die Kinder ziemlich stiefmütterlich behandelt werden. Die Erwachsenen schubsen sie weg um selbst an die Beute zu kommen und wenn Gefahr droht, laufen die Großen davon, ohne auch nur darauf zu achten ob die Kleinen hinterherkommen.

In der Tat hat sich der Jurassic Park vor unser Haus verlegt. Neulich war meine bessere Hälfte noch einmal mit Ludwig draußen, als es circa Mitternacht war und während ich gerade einen Müllsack aus dem Garten tragen wollte, sah ich eine Schweinefamilie den Gehweg von Seiten der Nachbarn herunterkommen. Panisch schnappte ich das Telefon und warnte, dass sie bloß weit weg vom Haus bleiben sollen und dass ich sie mit dem Auto abholen komme, egal wo sie gerade seien. Mein Geschrei brachte auch die Wildschweinfamilie zur Umkehr und sie gingen zurück zur Straße. Übers Telefon lotste ich nun meine bessere Hälfte wieder nach Hause, der die Schweine selbst auf der Straße in einiger Entfernung sah und dann schnell zurück kommen konnte. Selbst in den Garten können wir nachts nicht mehr gehen, falls Ludwig ein dringendes Bedürfnis hat, weil wir dazu über den Gehweg müssen, auf dem auch die Schweine laufen und man nie wissen kann, wann sie auftauchen werden.

Kurzum, das Wildschweinproblem ist längst eskaliert und wird in der Nachbarschaft umfangreich und hitzig debattiert. Den ersten Unfall zwischen zwei Scootern, die beide einem Schwein ausgewichen sind und sich dabei gerammt haben, hat es auch schon gegeben und sofern nicht bald etwas getan wird, werden größere Probleme folgen. Insbesondere da die Schweine konstant mehr werden und bald kein Futter mehr finden werden, weil sie schon alle Felder und alle Gärten abgeräumt haben. Und dann wird es so richtig spaßig....



Sunday, June 18, 2017

Heimchen am Herd

Einblicke aus der Küche - 1. Semester 2017

 2 Sorten Pizza

 meine erste weiße Pizza

 mehrere Gänge

 Castagnaccio

 Auberginenfächer

 Burger

 Minipizza

 Tiramisu

 Kastanien mit Steinpilzen (Sauce)

 klassische Pasta mit Sugo

 Beerensmoothie

 Peperonata

 Pizzataschen

 Hustenbonbons

 Zitronenkekse

 eigene Pralinen

 Auberginenschiffe

 Müsliriegel

 überbackener Fisch

 Lachsröllchen

 Lasagne



Thursday, June 15, 2017

Kulturelle Wortunterschiede...

Ach ja, was wäre eine Sprache, in der sich nicht die Kultur, die sie verwendet, widerspiegelt? Vor einigen Monaten habe ich einen didaktischen Vortrag vor Publikum gehalten, für den ich mich in der Vorbereitungszeit ausgiebig mit dem Zusammenhang von Kultur und Sprache beschäftigt habe. Viele interessante Fakten, die jetzt nicht nur mich als Linguisten begeistert haben, sondern die auch mein Publikum als einen der spannendsten Punkte des ganzen Vortrags genannt hat.

Je unterschiedlicher die Kultur, desto mehr sehen wir auch die Unterschiede in der Sprache. So gesehen ist Italien gar nicht so weit entfernt, denn vielfach stimmen die verwendeten Konzepte mit dem Deutschen überein, aber einige Dinge spreche ich immer wieder bei meinen Schülern an.

Zum Beispiel verfügen wir nicht über so eine praktische Anrede wie "Signora", wenn wir den Namen nicht kennen. Alle meine Schüler kommen mir wenigstens einmal mit einem Satz wie "Guten Morgen, Frau!" an und sind dann sehr enttäuscht, wenn ich sage, dass das eher wie "Buongiorno, Donna!" klingt und wir leider nichts anderes haben, um jemanden zu adressieren, dessen Namen wir nicht kennen. "Guten Morgen, die Dame", kommt dem Ausdruck noch am nächsten, klingt aber gestelzt und trifft ebenfalls nicht komplett das praktische "Signora".

Und wenn wir noch bei Personen bleiben: Im Italienischen unterscheidet man auch nicht zwischen Nichte, Neffe, Enkel und Enkelin. Alle diese sind "nipoti" und werden auch nicht selten verwechselt beim Übersetzen, auch von Sprechern auf fortgeschrittenem Niveau. Denn wer in seiner eigenen Sprache nicht zwischen bestimmten Dingen unterscheidet, der hat eben oft auch Mühe das für eine andere Sprache zu tun, während es für Sprecher einer Sprache, die hier wie selbstverständlich unterscheidet, im ersten Moment nicht nachvollziehbar ist. Lehnen wir uns mal nicht zu weit aus dem Fenster als Kultur, die Neffen von Enkeln abgrenzt; es gibt Kulturen, die eine Reihe an verschiedenen Begriffen für Onkel haben, je nachdem ob es ein älterer oder jüngerer Bruder der Mutter oder des Vaters ist. Wer jetzt denkt "völlig unerheblich solche Unterscheidungen zu machen!", der kann sich sicher vorstellen, wie sich ein Italiener bei dem Unterschied zwischen Enkel und Neffe fühlt. Als Erklärung für das gemeinsame Wort wird übrigens angegeben, dass es auf die Spätantike zurückzuführen ist, als spezielle Rechte und Pflichten den Kindern des Bruders bzw den Kindern des eigenen Kindes gegenüber Teil der Familienorganisation waren. Für einen Italiener dürfte sich also auch heute noch das Konzept anfühlen wie "Kinder eines unmittelbaren Verwandten" und nicht wie für Deutsche "Kinder des Bruders" vs "Kinder des Sohnes".

Auch "casa" ist ein kniffliges Wort. Auf Deutsch wäre das "Haus", wird aber auch als "Zuhause" verwendet und damit auch immer wieder für Wohnungen verwendet. Ich brauchte eine Weile, um zu erkennen, dass all die Personen, die Beschreibungen nach ein Haus bewohnten (auch oft auf Englisch oder auf Deutsch übersetzt mit "house" bzw "Haus"), in Wirklichkeit eine Wohnung hatten und ich diesen Übersetzungsfehler immer geraderücken wollte. Dabei gibt es ja auch italienische Begriffe für Wohnung, z.B. "appartamento" und die Unterscheidung wird auch gemacht, wenn man beispielsweise nach Wohnungsanzeigen sucht. Durch meinen eigenen sprachlichen Hintergrund nutze ich deswegen den Begriff "appartamento" weitaus häufiger im Alltag als das ein Italiener tun würde, der vom Konzept "Zuhause" ausgeht.

Und zu guter Letzt noch etwas Optisches: das Konzept der "hellen Augen". Ich wäre früher nicht auf die Idee gekommen zwischen hellen und dunklen Augen zu unterscheiden - für mich gab es blaue, grüne und braune Augen. Und so habe ich das auch immer im Italienischen benutzt, ehe mir auffiel, dass meine Umgebung immer zwischen "braunen Augen" und "hellen Augen" unterschied. Zur letzten Kategorie gehören demnach blaue, grüne und graue Augen, meiner Interpretation nach also Augenfarben, die hier als selten gelten. Da ich selbst aus einer Familie komme, die seit Generationen auf beiden Seiten ausschließlich aus blauen und grünen Augen besteht, wäre ich nie auf die Idee gekommen sie als "hell" zusammenzufassen, weil das Attribut hell für mich nie eine Rolle gespielt hatte. "Ja, er braucht immer eine Sonnenbrille, denn er hat helle Augen!" - "Haben deine Verwandten braune oder helle Augen?". Bei "dunklen Augen" wird meiner Recherche nach auch viel diskutiert, welche Begriffe hier richtig sind und welche nicht. Manch einer sagt "marroni", andere sagen "castani", manche unterscheiden die Farben auch oder sprechen einer Version jegliche Richtigkeit ab. Auch "schwarze Augen" gibt es immer mal als Kategorie. Interessanterweise unterscheide ich selbst hingegen bei "dunklen Augen" nicht. Für mich sind die alle salopp gesagt "braun", wahrscheinlich weil für mich persönlich das Konzept der "dunklen Augen" so fern ist wie die blauen und grünen Augen für das Gros der Italiener. Ein weiterer Beweis dafür, dass unsere individuelle Erfahrungswelt klar unsere Sprache bestimmt.